VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 36/02 vom 04.09.2002

... steuerte Jürgen Langenbach "Bemerkungen anlässlich der Verleihung des Goethe-Preises an Ernst Jünger" bei.

Die Biedermänner bitten wieder einmal den Brandstifter in ihren Salon: Die Bürgerschaft der einst aufgeklärten Stadt Frankfurt huldigt der Gegenaufklärung und wirft dem - wenigstens an Worten - Gewaltigsten und Gewalttätigsten unter den Hassern bürgerlicher Formen und Werte ihre Ehren und den dazugehörigen Sold hinterher. Für die Öffentlichkeit eine Groteske, die einmal mehr die Antiquiertheit auch der Satire vor Augen führt; für den Geehrten eine wahrlich unüberbietbare Peinlichkeit, geradezu die Verhöhnung eines Lebens und Lebenswerkes.

  Geben werden sie ihm den Lorbeer, dagegen wird kein Protest helfen; spannend ist einzig, ob er ihn auch nehmen wird: Die Preisverleihung setzt die Probe aufs Exempel des (früheren Anarchisten und heutigen) Anarchen. Allzu vernehmlich knistert die Spannung freilich auch wieder nicht, Ernst Jünger wird jener Bewusstseinsspaltung treu bleiben, um die herum das Leben des Anarchen sich mit einiger Notwendigkeit kristallisiert.


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