STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 36/02 vom 04.09.2002

Obgleich mit dem ersten Oscar für eine afroamerikanische Hauptdarstellerin bedacht, ist "Monster's Ball" (Regie: Marc Forster) im Grunde dennoch ein verkorkstes, seltsam angestrengtes Unternehmen: Die Geschichte der Liebesaffäre zwischen einer vom Schicksal gebeutelten jungen Frau (Halle Berry) und einem verbitterten Justizwachebeamten (Billy Bob Thornton) leistet selten mehr, als Thesen über familiäre Gewalt, Rassismus und die Gräuel der Todesstrafe in groben Zügen zu illustrieren. In der ersten Hälfte, einer Folge von Parallelmontagen, wird so ziemlich jeder mögliche Antagonismus bemüht, um dann, in der zweiten Halbzeit, von der allmählichen Läuterung eines Verlorenen erzählen zu können. Immerhin beweist Thornton asketisches Charisma, wenn er am Ende, auf der Veranda sitzend, sein Eis löffelt und mit Blick in die Nacht "I think we are going to be alright" murmelt - da ist plötzlich eine Wärme zu spüren, die einen die Konstruiertheit des Films beinahe vergessen lässt.

  Weniger verkorkst als anachronistisch mutet Kathryn Bigelows jüngste (Auftrags-)Arbeit an: "K-19: The Widowmaker" ist ein Mannschaftsdrama aus dem Kalten Krieg, das von der fatalen Jungfernfahrt des ersten sowjetischen Nuklear-U-Boots erzählt. Allein auf hoher See, von Kompetenzstreitigkeiten und mangelhafter Ausrüstung bedroht, wird ein Reaktorleck zum Sinnbild versagender politischer und technologischer Utopien. Ein Kammerspiel auf der Trümmerhalde der Geschichte, dessen Staraufgebot (Harrison Ford und Liam Neeson) und aufdringliche Musikbegleitung immer wieder von Bigelows Technologieskepsis konterkariert wird: Wenn sich ein Matrose nach dem anderen kotzend und mit Verbrennungen aus den funktionsunfähigen Strahlenanzügen schält, erreicht der Film eine beunruhigende, grausame Intensität.


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