Stadtrand: Mein Job als Kunde

Stadtleben | aus FALTER 36/02 vom 04.09.2002

Wenn mir in einer Pizzeria "aus Versehen" statt der bestellten Margarita-Pizza eine teure mit vier Käsesorten gebracht wird und ich dann freundlicherweise halt die Käsepizza nehme (auch weil ich zum Beispiel hungrig bin oder gleichzeitig mit dem Rest der Runde essen möchte und nicht erst, wenn die anderen längst vor leeren Tellern sitzen), dann mache ich das nicht aus Schnäppchengründen. Wenn dann aber der Wirt sagt, dass ich dafür natürlich schon den vollen Käsepizzapreis bezahlen muss, dann wirds frech. Wenn an der Wurst- und Käsetheke die Gurkerln aus sind, dann glaub ich das der Wurst- und Käsefrau zwar nicht (weil ganz bestimmt irgendwo noch ein volles Gurkenglas herumsteht, jedoch wahrscheinlich niemand Zeit oder Lust hat, es zu holen), aber ich nehme das einmal so hin. Auf keinen Fall will ich als Begründung hören: "Die Gurkerln sind aus, weil die essen wir immer selber." Gemaule in Plattenläden (wenn man zwar eine Stunde lang probehört, aber dann "nur" drei Platten kauft), Schuhverkäufer, die die Augen verdrehen (weil sie zu faul sind, sich Schuhe im Schaufenster zeigen zu lassen, lieber irgendwelche aus dem Lager holen): Leute, ich hab euch eure Jobs nicht ausgesucht. Und den Job als Kunde kann man sich ja leider auch nicht aussuchen. Einer muss ihn schließlich machen. C. W.


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