Viva Franco! Viva Carmelo!

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 36/02 vom 04.09.2002

EIS. In Wien gibt es an die achtzig Eissalons. Den schrulligsten und weitaus sympathischsten führen wohl die Brüder Sauda in der Gumpendorfer Straße. 

Der letzte verbürgte Kontakt von Franco Sauda mit der großen weiten Welt datiert aus dem Jahr 1958. Franco, 18 Jahre alt, ein fescher Kampel, macht sich aus dem sonnigen Rendenatal, Trientino, bella Italia, auf den Weg ins große Wien. Keine Jacke für die frostige Stadt hat er im Gepäck, nur Hemd und Hose. Dazu einen Ratschlag von la mamma: Franco, geh nach Vienna, Cousin Cantonati hat einen Eissalon. Vom Westbahnhof nimm die Tram in die Winkelmannstraße, geh dorthin, Eis machen. 20.000 Lire im Monat. 120.000 im Jahr. Essen und Schlafen gratis.

  Franco, bislang nie Geld in der Tasche, daheim in Italien ein Holzhacker und Hilfsarbeiter, den großen, niemals machbaren Traum vom eigenen Hotel in Madonna di Campiglio im Gemüt, geht nach Wien Eis machen. Eine Weltreise. Wo man anfängt, da bleibt man, diesen Ratschlag hat die Mutter


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