WIDERSTAND: Tschüssel!

Politik | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

Der MUND hats verschlafen. Der "medienunabhängige Nachrichtendienst" der Gegner der schwarz-blauen Wenderegierung ist just wenige Tage vor dem Rücktritt der Vizekanzlerin in den Streik getreten und versendet seitdem keine täglichen News-Mails mehr. Bei der "Botschaft besorgter Bürgerinnen und Bürger" am Ballhausplatz wird dafür schon der Sekt eingekühlt. "Am Donnerstag gibt es eine Freudendemo", verkündet Kommunist und Widerständler Kurt Wendt. "Weil wir länger durchgehalten haben als sie", so Wendt stolz. Rund um das Widerstandsnest gegenüber vom Bundeskanzleramt ist trotz Neuwahlen noch einiges geplant: Am 17. September soll um sieben Uhr früh ein "Mahnmal für angewandte Demokratie" errichtet werden. "Wir stellen ein Dollfuß-Schüssel-Denkmal auf, um auf die Wendehalsigkeit christlich-sozialer Politik hinzuweisen", sagt "Botschafter" Alex Parschalk. Und am 19. September, dem Tag, an dem sich der Nationalrat auflösen wird, gibt es ein großes Widerstandsfest am Heldenplatz. "Wenn sich die Regierung auflöst, ist der Zweck der Botschaft eigentlich erfüllt", findet Parschalk. Was mit der kleinen Zeltstadt samt Holzesel aber tatsächlich passiert, entscheidet das Botschafts-Plenum erst in wenigen Tagen. "Schließlich lässt sich die Regierung auch Zeit mit dem Zurücktreten", meint ein Botschafts-Aktivist. Auch Kurt Wendt fürchtet nicht, dass er nach dem Ende von Schwarz-Blau nicht mehr weiss, was er mit seiner Freizeit anfangen soll: "Die Welt ist durch den Rücktritt nicht wirklich bessergeworden", sagt der Regierungsgegner. "Und eine FPÖ, die von rechten Recken wie Haider, Scheibner und Stadler angeführt wird, braucht weiterhin massiven demokratischen Widerstand auf der Straße."


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