WENDEHÄLSE: Der Brutus von Knittelfeld

Politik | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

Die Augen schienen nicht nur wegen des Schlafentzugs gerötet. Nach der zwölfstündigen Sitzung des FPÖ-Parteivorstandes in der Nacht auf Mittwoch vergangene Woche waren die blauen Minister ein Herz und eine Seele. Alle würden sie zurücktreten, wenn Vizekanzlerin und Parteichefin Susanne Riess-Passer gehen müsse, verkündeten sie treuherzig. Auch Verteidigungsminister Herbert Scheibner, der sagte: "Wir sind alle gemeinsam für diese Regierung gestanden."

  Riess-Passer ist mittlerweile abgetreten. Herbert Scheibner aber sitzt immer noch auf seinem Sessel. Wenige Tage nach dem Treueschwur war er zum aufrührerischen Parteivolk nach Knittelfeld gefahren. Gemeinsam mit Jörg Haider fabrizierte er eine als Kompromiss getarnte Rücktrittsaufforderung an Riess-Passer. Dieser Forderungskatalog hätte unter anderem ein blaues Veto gegen die Osterweiterung wegen Temelín und der BenesÇ-Dekrete erwogen - unannehmbar für die Vizekanzlerin, die in dieser Frage der ÖVP im Wort stand. Riess-Passer


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige