FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

In Zeiten des Umbruchs und der politischen Aufregung schätzt man Vertraute umso mehr. Damit bekommt auch die gute alte "Lindenstraße" (So, 18.30 Uhr, ARD) wieder ihren Reiz - die sicher einzige Serie der Welt, die meine Götzner Oma, der Falter-Theaterpapst und ich seit Beginn an gemeinsam verfolgen (wir haben so gut wie keine Folge versäumt, und immerhin stehen wir jetzt schon bei 875). Während sich im wirklichen Leben also alles wendet, eiern die Lindenstraße-Bewohner in bewährter Manier durchs Serienleben. Der neueste Aufreger im Leben von Gabi, Helga und Co beweist Serienvater Hans W. Geisendörfers Gespür für gesellschaftspolitischen Sprengstoff: Ein reicher Nazi will dreist das Wohnhaus der Lindensträßler kaufen, die machen natürlich auf Widerstand und drehen dafür der abgewrackten, aber wohlhabenden Friseuse Isolde das heruntergekommene Mehrfamilienhaus in München an. Pech für die schöngeistige Rotgefärbte, wo doch das Mietshaus nicht mit der Villa im sonnigen Italien konkurrieren kann, die sie eigentlich kaufen wollte - aber sehr p.c. und solidarisch. In Geissendörfers gemütlichem Mikrokosmos hat die Realität halt manchmal Pause.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige