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Kultur | KLAUS TASCHWER | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

Was das Glück anlangt, sind wir Analphabeten. Während man im Sanskrit zwischen mehr als einem Dutzend Spielarten des Glücks begrifflich unterscheidet, gibt es im Deutschen nicht einmal zwei Ausdrücke für Glück haben und glücklich sein. Dafür wissen wir zumindest in Österreich, dass das Glück ein Vogerl ist und also von grundsätzlich flüchtiger Wesensart. Muss aber nicht sein. Denn zumindest am Glück als Gefühlszustand lässt sich arbeiten, behauptet der deutsche Wissenschaftsjournalist Stefan Klein in seinem Buch "Glücksformel". Mittlerweile weiß die Wissenschaft nämlich schon relativ viel darüber, wie die guten Gefühle entstehen und was sich dabei in unseren Köpfen neurochemisch so abspielt. Der nicht unverdiente Sachbuchbesteller gibt spannende und fasslich geschriebene Einblicke in die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung und leitet daraus einige Tipps für ein glücklicheres Leben ab. Diese allerdings - viel Bewegung und Sex, Freundschaft und Liebe et cetera - sind nicht wirklich ganz neu und überraschend.

  Wir sind aber natürlich nicht nur Schmiede unseres eigenen Glücks, sondern auch vom Gegenteil davon. Das nötige Handwerkszeug dafür liefert Dan Greenburg in "Die Kunst, sich schlecht zu fühlen". Der Ratgeber, der vor mittlerweile 36 Jahren erstmals auf Englisch erschien, hält für alle Lebenslagen Empfehlungen bereit, die mitten ins Unglück führen: Egal, ob Sie also Ihren Job verlieren, Ihre Partnerschaft aufs Spiel setzen oder Ihre Freunde enttäuschen wollen - David Greenburg weiß, wie man es richtig macht. Don't be happy, worry!

Stefan Klein: Die Glücksformel oder:

Wie die guten Gefühle entstehen. Reinbek 2002 (Rowohlt). 320 S., f 20,50

Dan Greenburg: Die Kunst, sich schlecht zu fühlen. Aus dem Englischen von Sabine Bayerl. Berlin 2002 (Argon). 128 S., f 15,40


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