STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

Ein Mann erinnert sich zurück an seine Kindheit, an jene Tage und Wochen, da er als kleiner Bub gemeinsam mit seinem Vater, einem Killer der irischen Mafia, auf der Flucht vor dessen ehemaligen Auftraggebern unterwegs durch das Amerika der frühen Dreißigerjahre war. Der entsprechende Film heißt "Road to Perdition", womit nicht nur der geografische Endpunkt der blutigen Odyssee (ein imaginärer Ort in Illinois), sondern im Englischen zugleich "die ewige Verdammnis" bezeichnet ist.

  Die "poetische" Überhöhung ist Programm. Regisseur Sam Mendes, dessen Debüt "American Beauty" mehrere Oscars einheimste, interessiert sich nicht für Kino, sondern für "Kunst": Er engagiert den "Godfather"-erprobten Kameramann Conrad Hall, besetzt jede Wurzenrolle mit einem bekannten Gesicht (Paul Newman, Jude Law, Jennifer Jason Leigh) und verlässt sich im Übrigen ganz auf die Patina schwerer Maschinenpistolen und bodenlanger Mäntel, bis man die Mottenkugeln förmlich riechen kann. Leider ist der Film nicht halb so spannend wie das Interview lustig, in dem Tom Hanks der Süddeutschen unlängst eröffnete: "Mir geht es vor allem darum, dass eine Rolle etwas Authentisches hat." Ach ja, hier gibt er den leidgeprüften Profikiller.

  Rupert Everett hat, was Hanks gern hätte, "etwas Authentisches", vor allem, wenn er Oscar Wilde spielt oder genauer: Algernon alias Ernst in "Bunbury", besser bekannt unter dem Titel "The Importance of Being Earnest". Regisseur Oliver Parker, der sich zuvor schon an Wildes "A Perfect Husband" vergriffen hatte, hält sich nicht lange mit der Inszenierung auf, sondern lässt seinem Ensemble freie Bahn: Colin Firth, Judi Dench, Reese Witherspoon, Tom Wilkinson und dashing Rupert machen selbst die schlimmsten Kalauer so halbwegs wett.


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