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Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

Analog zum Autorenfilmer im Kino nennt Igor Bauersima ("norway.today") sich treffend einen "Autorentheatermacher". Im Normalfall ist er Regisseur, Autor und Bühnenbildner in Personalunion. Nur in Ausnahmefällen nimmt er sich fremder Texte an, wie gerade eben Neil LaButes Kunstboulevardkomödie "das maß der dinge", die bei den Salzburger Festspielen ihre deutschsprachige Erstaufführung erlebte und nun am Akademietheater ins Repertoire übernommen wurde (der elegante, bewegliche und weiträumige Bühnenraum hat sich in Salzburg besser entfalten können). Was darf Kunst? Das hat vor Jahren Yasmina Reza schon in ihrem Bühnenhit "Kunst" gefragt, und erstaunlicherweise funktioniert "das maß der dinge" ähnlich: als Soap-geschulter Beziehungsboulevard unterhaltend, als aktuelle Kunstdebatte etwas altbacken. Seinem durch Filme wie "Nurse Betty" oder Stücke wie "Bash" entstandenen Ruf als zynischer Zeitgenosse ist LaBute, der sein Stück übrigens gerade verfilmt hat, nur bedingt gerecht geworden. Und Bauersima versucht erst gar nicht, bösartig zu sein, sondern lässt die erotischen und freundschaftlichen Verwicklungen zweier Paare locker abspulen. Die eigentliche Pointe kommt spät, dafür langatmig: Evelyn hat aus dem Nerd Adam nicht aus Liebe eine Adonis gemacht, sondern aus Kalkül - er ist ihre Kunst-Diplomarbeit. Was im Film geht - Adam zuerst fett und faul, dann adrett und fit -, funktioniert im Theater nur bedingt: Daniel Jesch ist von Anfang an ein charmanter Junge. Johanna Wokalek gibt die berechnende Evelyn und wirkt mit ihrem nervösen Gezappel wie jemand, der zu viel amerikanische TV-Serien geschaut hat. Dorothee Hartinger gelingt eine sehr genaue Figurengestaltung. Bauersima soll in Zukunft öfter an der Burg arbeiten - hoffentlich ist er sich als Autorentheatermacher dann wieder selbst das Maß der Dinge.


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