OHREN AUF! Jazz und Lyrik

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

Über die Frage, ob der Jazz schon tot ist oder bloß komisch riecht, ist genug spekuliert worden. Eines kann man wohl festhalten: Er ist ein historisches Phänomen. Keinerlei Lebens- oder gar politische Haltungen sind mit diesem Genre verknüpft, ein Jazz-Fan zu sein ist eine ideologisch so trennscharfe Bestimmung wie die Feststellung, jemand sei Brillen- oder Cordhosenträger. Man kann dergleichen Einsicht unterschiedlich auslegen: weitermachen wie bisher oder wie in den Fünfzigerjahren, den Fundus der Tradition plündern oder den Jazz mit zeitgenössischen Sounds hochtunen.

Das deutsche Label Minor Music (Vertrieb: Extraplatte), das seit 1984 besteht und u.a. Künstler wie Geri Allen, Till Brönner, Bill Frisell oder Maceo Parker verlegt hat, geht heute einen nicht allzu prononcierten Mittelweg. Das Programm, das an zwei Tagen im Porgy&Bess präsentiert wird, bezieht seinen Reiz hauptsächlich aus dem Vokalen. Tuey Connell gehört eher der Weitermachen-als-wär-nix-Fraktion an, macht


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