"Biedermeier-Jugendstil"

Kultur | JAN TABOR | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

ARCHITEKTUR. Das Jüdische Museum erinnert an Ernst Epstein, der als Baumeister das Looshaus errichtete und als Architekt viel zu wenig bekannt ist. 

Der Wiener Baukünstler Loos ist weltberühmt, den Wiener Baumeister Epstein kennen nur Spezialisten. Ich kennen ihn seit dem 17. Oktober 1968, dem dritten Tag meines Aufenthalts in Wien. Für Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei wie mich hatte die hilfsbereite amerikanische Church of Christ in ihrer Wiener Dependance in der Schleifmühlgasse eine Herberge errichtet. Gegenüber, auf der Schleifmühlgasse 3 und 5, fielen mir sogleich zwei Jugendstilhäuser auf, die - verglichen mit dem Prager Jugendstil, der an Frankreich orientiert war und daher auch zu einer blumenhaften Ausgelassenheit tendierte - von eigenartig gelassener Eleganz waren. Als wären sie statt dem Barock dem Klassizismus verpflichtet, einer Abart der Moderne, die man "Biedermeier-Jugendstil" nennen und der man auch das Frühwerk von Loos, das Haus am Michaelerplatz etwa,


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