NÜCHTERN BETRACHTET: Wofür ich keine Steuern zahlen möchte

Kultur | aus FALTER 37/02 vom 11.09.2002

Wien ist großartig. Es hat den Donaukanal und die Donauinsel, den Naschmarkt und den Mediamarkt, den Verteilerkreis und den Eisring Süd. Trotzdem darf sich Wien nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern muss sich stets bemühen. Am allermeisten bemühen müssen sich jetzt einmal die Popplattenhändler, diese lichtscheuen, schlecht geduschten Spätaufsteher, die ihre Kunden mit ihrem Privatenthusiasmus quälen, anstatt die Regale mit aktueller Ware vollzuräumen. Seit zwei Wochen bemühe ich mich, die in einer freitäglich erscheinenden und nach einer im 19. Jahrhundert boomenden Musikform benannten Vierfarbbeilage einer lachsrosa Tageszeitung abgelobten Referenzalben der Bands Cinerama und Wedding Present zu kaufen, aber man lässt mich nicht. Weder in den CD-Etagen des Unterhaltungselektronikdisconters noch im Kabäuschen des Fachgeschäfts mit Rauchzwang ist auch nur eines davon vorrätig. Anstatt Zeitungen zu lesen, sitzen die muffigen Plattenhändler und ihre missmutigen Regalbetreuer


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