TIER DER WENDE

Ein besonderer Vogel

PETER IWANIEWICZ | Politik | aus FALTER 38/02 vom 18.09.2002

Ein Wendehals (Jynx torquilla) ist eigentlich eine Vogelart und nicht in erster Linie eine politische Kategorie. Dieser kleine, in Mitteleuropa sehr häufige Brutvogel kommt auch in Asien vor. Dank seines deutschen Namens tauchte der Wendehals vor einigen Jahren im alltäglichen Sprachgebrauch auf und wurde vor allem in Deutschland zum Synonym für die opportunistische Haltung einiger Ostdeutscher.

  Der Wendehals ist mit den Spechten verwandt, ihm fehlen aber einige typische Eigenschaften dieser Vogelart: Er kann keine eigene Bruthöhle zimmern, da sowohl der Schnabel als auch der Schädel dafür nicht kräftig genug sind. Daher räumt er zur Brutzeit alte Nester in verlassenen Baumhöhlen aus und besiedelt diese.

  Auch fehlt dem Wendehals für das Klettern auf den Bäumen der Stützschwanz, die Ausdauer und ein schnelles Reaktionsvermögen. Sein grau-braun geflecktes Gefieder macht ihn für Feinde schwer sichtbar, mit seiner klebrigen Zunge holt er Arbeitsameisen aus den Löchern, und den Winter verbringt er - untypisch für aufrechte Spechte - im warmen Afrika.

  Welcher Eigenschaft verdankt er aber seinen Namen? Bei einem Angriff sträubt der Wendehals sein Gefieder, spreizt den Schwanz und lässt die Flügel hängen. Auf diese Weise springt er den Feind an, züngelt mit seiner langen Wurmzunge, gurgelt mit der Kehle, zischt und verdreht den Hals auf so heftige Weise, dass es an eine zuckende Schlange gemahnt.

  Viele Angreifer sind über dieses Verhalten so irritiert, dass dem Wendehals die Flucht gelingt. Das hilft bei Fressfeinden, nicht aber gegenüber dem Menschen. Obwohl Naturschutzverbände 1988 den Wendehals zum "Vogel des Jahres" kürten, werden diese Tiere auch bei uns immer seltener und stehen daher auf der roten Liste.


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