KUNST KURZ

Kultur | aus FALTER 38/02 vom 18.09.2002

Wenn die Kaiserin Elisabeth vom Gewicht ihrer bodenlangen Mähne Kopfweh bekam, so ist in Brigitte Hamanns Biografie der Herrscherin zu lesen, dann ließ sie sich die Haare mit Bändern in die Höhe hängen. Sisi mit schwebendem Schopf - das muss ein starkes Bild gewesen sein. Die Ausstellung "Aufräumen" von Ulrike Lienbacher in der MAK-Galerie (bis 27.10.) lässt an solche Geschichten von sich selbst disziplinierenden Frauen denken. Lienbacher präsentiert Tuschezeichnungen von kunstvoll gebändigten Mähnen und von weiblichen Körpern bei der Toilette, wie man Waschen, Frisieren usw. früher elegant bezeichnete. Dafür braucht sie nur wenige, klare Linien: Der Stil selbst vermittelt hier eine gewisse Strenge der Reinlichkeit. Der badenden Frau als klassisches Motiv der Kunstgeschichte stellt die 1963 geborene Künstlerin ihren Zeichentrickfilm "schmutzig" gegenüber. Die Farbe, die im Video gegen eine Wand klatscht und herunterrinnt, kann als lakonischer Angriff auf sterilen Perfektionismus ebenso gelesen werden wie als Anspielung auf das Farbenschmeißen in der männlich dominierten Aktionskunst.

  Man muss die Schwächen der Menschen zulassen", meinte der Künstler Thomas Stimm bei der Lunch-Lecture zu seiner aktuellen Ausstellung in der Christine König Galerie (bis 25.10.). Zusammen mit Uta Weber gibt Stimm der Sehnsucht nach einer heilen Welt mit bunten Pudelmützen und Hippie-Romantik nach. Auf Postern propagieren die Künstler offensiv-naiv die Umtaufung der Erde in "Terra", um dadurch Mensch, Tier und Pflanze ein stärkeres Einheitsgefühl zu bescheren. Den Besuchern empfehlen sie, auf den blumenförmigen Teppichen herumzuliegen und sich ein Leiberl mit einem aufgedruckten T zu kaufen.

NICOLE SCHEYERER


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