STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 38/02 vom 18.09.2002

Im Rahmen der Georgischen Festwochen in Wien gibt es, nebst Fotografie, Musik und Literatur, auch Filme aus der Kaukasusrepublik zu sehen: Vom 29. September bis einschließlich 14. Oktober zeigt das Votiv-Kino eine Auswahl jüngerer Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme von georgischen Filmemachern, von denen der in Paris lebende Otar Iosseliani wohl der einzige auch hierzulande bekannte Künstler ist. Überhaupt zieht sich das Motiv des Exils wie ein roter Faden durch die Filmschau.

  Nicht nur Iosseliani (der mit dem französischsprachigen "Adieu, plancher des vaches" und einer Dokumentation über seine alte Heimat vertreten ist) produziert seit Jahren im europäischen Ausland; auch "Lost Killers", der letzte Film von Dimitri Tsintsadze, wurde mit deutschem Geld produziert. Seine Erzählung von einer Gruppe Entwurzelter und Migrantinnen, die sich mit Gelegenheitsjobs und kriminellen Plänen vor dem endgültigen Abstieg in die Armut zu retten trachten, darf man getrost auch als Sinnbild für die darniederliegende georgische Filmproduktion lesen: Von der Unfreiheit am Gängelband der Moskauer Zensur taumelte diese geradewegs in eine angesichts von Bürgerkrieg, Armut und der Abwanderung von Talenten nur allzu nachvollziehbare Marginalisierung. Deutlich wird dies vor allem anhand der Biografie des hoch gelobten Kurzfilmregisseurs Mikhail Kobakhidze: Ein mehr als dreißigjähriges Berufsverbot liegt zwischen seinen sowjetischen Arbeiten der Sechzigerjahre und dem (in Frankreich entstandenen und vom Regisseur persönlich in Wien präsentierten) "En chemin" (2002).

MICHAEL LOEBENSTEIN


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