AUFGEBLÄTTERT

Kultur | aus FALTER 38/02 vom 18.09.2002

Der Drang, einen Partner fürs Leben zu finden, macht krank. Zumindest in jener Literatur, die sich bei der Beschreibung von Paarungsvorgängen auf große Metaphern verlässt. Dabei passiert es immer wieder, dass ein Autor bei der Verbildlichung emotionaler Konstellationen gewaltig über die Stränge schlägt. Sina Fischer, Heldin aus dem Roman "Das Eis, das bricht" von Sabine Friedrich, überlebt nur knapp einen Überfall. Dass sie danach in ein langes Koma fällt, wird aber weniger als Unglück, denn als eine Chance, als Zeit der Läuterung dargestellt. Vor dem Überfall war Sina der Prototyp eines post-studentischen Singles. Es bedurfte wohl eines harten Schlags auf das Hirn, um ihre Reifung zum ehefähigen Weib einzuleiten. Als Sina aus dem Koma erwacht, wartet denn auch prompt ihr Mann für immer am Bettrand. Ein ordentlicher Schlag auf den Frauenkopf löst offenbar alle Probleme.

  Gewalt ist auch Moritz Than ausgesetzt, der Protagonist aus dem Debüt des Münchners Thomas Lang.

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