Kommentar

Doktor Seltsam und das Regietheater

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 39/02 vom 25.09.2002

Vor einem Salzburger Bezirksgericht wurde am Montag dieser Woche ein möglicherweise richtungweisender Prozess geführt (der Ausgang stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest): Auf der Anklagebank stand das so genannte Regietheater, personifiziert durch Hans Neuenfels, vertreten durch einen Anwalt der Salzburger Festspiele. Kläger ist ein Halleiner Arzt, der im Sommer 2001 eine Vorstellung der "Fledermaus" in der Felsenreitschule besuchte und die Strauß-Operette nicht wiedererkannte. Statt eines "musikdramaturgisch vollendeten", und "dem Heiterkeitsverlangen des Publikums entsprechenden" Meisterwerks sei ihm ein "ekelhaftes Stück mit Musikuntermalung von Johann Strauß" vorgesetzt worden. Nach einer Schrecksekunde von fast einem Jahr klagte der Mediziner nun auf Rückgabe des Eintrittsgelds für sich und seine Begleitung - umgerechnet rund 520 Euro.

Die Klage zeugt von beispiellosem Kleingeist und grenzenloser Humorlosigkeit, ist aber symptomatisch für eine immer unverblümter zur


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