STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 39/02 vom 25.09.2002

Schon letztes Jahr stand der Gedächtnisverlust in Hollywood hoch im Kurs, um Held(in) gemeinsam mit dem Publikum quasi ohne Gepäck in die Handlung zu schicken: ganz Körper, ganz Gefühl. So rührte ein ahnungsloser Jim Carrey in "The Majestic", Laura Harring verlor sich in "Mulholland Drive" und Guy Pearce tappte rückwärts durch "Memento". Mit "The Bourne Identity" ("Die Bourne Identität") hat nun Ex-Indie-Regisseur Doug Liman ("Singles", "Go") den gleichnamigen Bestseller von Robert Ludlum verfilmt: im Mittelpunkt der actionreichen, weit verzweigten Handlung steht ein CIA-Agent (Matt Damon) mit dem Decknamen Jason Bourne, der sein Gedächtnis verloren hat. Am spannendsten ist die Exposition, in der Bourne langsam das Erinnerungsvermögen seines Körpers erkundet, der an senkrechten Fassaden hochklettern und im Ninja-Stil kämpfen kann, wohingegen sein Besitzer nonicht mal den eigenen Namen kennt - ein Szenario, das an "The Long Kiss Goodnight" erinnert, in dem Geena Davis als biedere Hausfrau die Ex-Killerin in sich entdeckt.

  Den darauf folgenden schematischen Thrillerplot inszeniert Liman mit einem gewissen Sinn für Stimmungen, Farben und Oberflächen. Indem er etwa die europäischen Schauplätze - Marseilles, Paris und Zürich - wie beiläufig im Regen oder Halbdunkel filmt, sorgt er dafür, dass sie nicht zur pittoresken Deko verkommen. Der bubengesichtige Damon kämpft sich unterdessen souverän durch seine erste Rolle als "erwachsener" Actionheld. Und auch Franka Potente, die als schusseliger deutscher Tramp zu Bournes Fluchthelferin und Geliebter wird, gelingt es, in ihrer zweiten Hollywoodproduktion (nach einer eher peinlichen Nebenrolle in Ted Demmes "Blow") so etwas wie natürlichen Charme an den Tag zu legen.


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