Wie Wiener Wiesen wachsen

Extra | aus FALTER 39/02 vom 25.09.2002

Ein eigenes "Aufbauprogramm" der Stadt Wien lässt Wiesen zu ökologischen Lebens- und Erholungsräumen werden

Für die sattgrünen Kuhweiden, haben freundliche Experten den Begriff "Magerwiesen" geprägt. Weniger freundliche nennen die mit Kunstdünger versetzten Monokulturen schlicht "grüne Hölle". Damit ist es auf den Wiesen der Stadt Wien - sofern sie nicht verpachtet sind - längst vorbei. Weder das Wiener Forstamt noch das Stadtgartenamt setzen Kunstdünger ein.

Die Wiener Wiesen stehen seit 1905 unter Schutz. Allerdings ist Brachland nicht gleich Wiese, denn dieses droht rasch zu "verbuschen", zu "verbirken" oder zu "verwalden". Damit verschwinden aber auch typische Wiesenbewohner - nein, nicht nur Liebespärchen, sondern auch seltene Tiere und Pflanzen. Gegen diese Gefährdung entwickelte das Wiener Forstamt einen Wiesen-Marshallplan. So werden ständig alle Wiesen auf ihre Pflanzengesellschaften hin untersucht. Ein Geo-Informationssystem (GIS) erfasst die Ergebnisse. Aus diesen entwickeln Experten speziell abgestimmte Mahdpläne sowie Kompostdünge- oder Nichtdüngepläne für die einzelnen Wiesen.

Ein wesentlicher Faktor sind Pfeifengraswiesen, der Lebensraum seltener Fauna und Flora. Sie wachsen an besonders feuchten, nährstoffarmen Standorten und stehen europaweit unter Schutz. Im Frühjahr wachsen sie nur langsam, im Sommer stehen sie dann mit violettschwarzen Blütenständen sowie weißen, blauen und gelben Kräutern, mit Spargelklee, Sumpf-Stendelwurz, Mücken-Händelwurz und Lungenenzian in voller Pracht. Der Herbst färbt das Pfeifengras orange, die Nährstoffe aus den Blättern sinken in einen unterirdischen Stängelknoten zurück - eine Art Speicher. Diese Wiesen dürfen erst im Herbst gemäht und keinesfalls gedüngt werden. Auch andere Wiesengesellschaften, etwa Bürstlingsrasen, Trespen- und Glatthaferwiesen, werden von der Europäischen Union als erhaltenswert erachtet.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige