Lenins Riefenstahl

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 40/02 vom 02.10.2002

FOTOGRAFIE. Das Historische Museum zeigt frühe sowjetische Fotografien. Was die großartigen Bilder historisch bedeuten, bleibt unterbelichtet. Anders sieht die Welt aus, wenn man sie aus ungewohntem Blickwinkel betrachtet: Oben, auf einem Kasten, Platz zu nehmen schlug Robert Musil einmal vor, Heimito von Doderer dachte an den Hohlraum unter einem Tisch. Blick von unten, kopfüber: Ein Mann klettert auf einer Feuerleiter über den Betrachter hinweg, steil ragen kleine Balkone schräg durchs Bild, das Metallgestänge eines Sendemastens schraubt sich in die Perspektive. Man kennt diese Aufnahmen, jeder Amateur hat probiert, sie nachzumachen - aber derart wuchtige und präzise Bilder wie bei Alexander Rodtschenko, dem größten aller sowjetischen Fotografen, sind dabei nie herausgekommen. Auch nicht in den zahllosen Nachahmungen der Werbe- und sonstigen Gebrauchsfotografie.

  Der Name des professionellen Verfremdungseffekts ist "Bauchnabelblick". Während man Rodtschenkos Bilder, deren


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