Köpfe als Töpfe

Kultur | STEPHAN HILPOLD | aus FALTER 40/02 vom 02.10.2002

THEATER. Schon die Elisabethaner waren ziemlich grausam. In der Off-Version von toxic dreams und Bilderwerfer ist Shakespeares "Titus Andronicus" aber noch grausamer. 

Es fließt Blut in William Shakespeares "Titus Andronicus". Jede Menge Blut. Von 25 Personen sind am Ende 14 tot. Erstochen, geköpft, vergewaltigt, abgeschlachtet, zu Pasteten verarbeitet. Jeder Bluttat folgt ein Racheakt, jedem Racheakt eine neue Bluttat. Weswegen dieses Frühwerk wohl weniger eine Tragödie als ein Gemetzel genannt werden sollte. T. S. Eliot drückte sich sogar noch etwas forscher aus: Für ihn war der "Titus" schlicht "eines der dümmsten und uninspiriertesten Stücke, das je geschrieben wurde".

  Da ist - Shakespeare in Ehren - durchaus etwas dran. Der Hang zum Spektakel ging in dieser spätpubertären Rarität aus dem Jahre 1590 mit dem Autor durch. Andererseits hat der Etappensieg des Sensationellen aber auch eine ganze Menge für sich: "Natural Born Killers" gab es eben auch schon bei den Elisabethanern.


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