STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 40/02 vom 02.10.2002

Alle paar Jahre gibt das italienische Kino ein Lebenszeichen von sich, sei es in den scharfsinnigen Komödien und Melodramen des kämpferischen Nanni Moretti oder in den stillen, um Milieurealismus bemühten Spielfilmen Mimmo Caloprestis ("La seconda volta", "La parola amore esiste"). Das Votiv zeigt zurzeit Caloprestis dritten Spielfilm "Preferisco il rumore del mare" im italienischen Original mit Untertiteln, wodurch die sprachlichen Nuancen dieses kleinen, bescheidenen Dramas erhalten und bloß von der deutschen Übersetzung des Titels - "Ich liebe das Rauschen des Meeres" - zunichte gemacht werden. Der Film erzählt die Geschichte von der Konfrontation zwischen einer Turiner Bürgerfamilie und einem verschlossenen, ernsthaften Teenager aus dem italienischen Süden als Serie kultureller Differenzen, Brüche und Missverständnisse, die zuletzt auch nicht mehr schöngeredet werden können. Empfehlung!

  Ebenfalls empfohlen: Von 4.-17. Oktober zeigt Sixpack Film im Stadtkino eine attraktive Auswahl neuer und ganz neuer österreichischer wie internationaler Avantgardefilme, die unter dem Titel "The Closer Look" steht. Ein verbindendes Moment ist hierbei (wenig überraschend) der Blick; darüber hinaus kann man die gezeigten Arbeiten durchaus als Verweise auf die Frühgeschichte des Kinos verstehen. Zu sehen sind unter anderem die Cinemascope-Trilogie Peter Tscherkasskys, Norbert Pfaffenbichlers Found-Footage-Film "notes on film 01 else" sowie ein umwerfender neuer Film des Kanadiers Guy Maddin: In "The Heart of the World" blickt das Kino, vor Aufregung zappelnd, in seine expressive, schwarz-weiße Vergangenheit zurück, um letztendlich nicht weniger als die Rettung der Welt für sich zu beanspruchen. Recht so!


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