AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 40/02 vom 02.10.2002

Jugendkriminalität im Zeichen des 11. September 2001. Holger Biedermann erzählt in seinem Hamburg-Krimi "Von Ratten und Menschen". Es geht um die panische Angst vor Menschen, die dem Islam angehören, und um Crash-Kids wie George, der bei einer schweren Alkoholikerin aufwuchs, oder Lennie, der vom Pflegevater nach Stundenplan vergewaltigt wurde. Nun sind die Jungs zu Mördern geworden. Die Kripo findet die Leiche ihres Opfers, des Sozialarbeiters Nowitzki. Und im Lauf der Fahndung muss auch einer der Täter sterben. Biedermann, brutal wie John Steinbeck, auf dessen Roman "Von Mäusen und Menschen" sein Debüt basiert, empfiehlt Lennie, der eiskalten Gesellschaft durch die einzige Luke zu verlassen, die ihm offen steht: den Selbstmord. Denn Menschen wie Lennie haben im Gerangel des Neoliberalismus keine Chance zu bestehen. Zumal wenn ihr Sozialarbeiter die Ausbeutung ihrer Eltern hemmungslos fortsetzt. Die oben leben, treten nach unten, von Umverteilung der Chancen kann keine Rede sein.


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