Stadtrand: Sicher ist sicher

Stadtleben | aus FALTER 40/02 vom 02.10.2002

Der schüchterne Mann steht mit hoch gestelltem Kragen am Herrenregal der Bipa. Er blickt nach links, nach rechts. Dann greift er zu. Eine kleine Packung mit einer ekstatisch blickenden Frau darauf versteckt er unter seiner Achsel. Schnellen Schrittes eilt er zur Kassa, legt die Ekstatische aufs Fließband. Blickt um sich, wähnt sich sicher. Ganz schnell muss es jetzt gehen. Ein kleiner Piep, ein bisschen im Geldbörsel kramen und nichts wie weg. Denkste. "Wollen S' nicht eine Kundenkarte bei uns lösen?", fragt die Dame an der Kasse. Die Frau in Ekstase lässt sie am Förderband liegen. "Nein!", seufzt der Mann. "Gehn S,' mit der Kundenkarte kaufen S' vü billliga!", sagt die Kassiererin. "Nein, ich will nicht bei Ihnen gespeichert werden", sagt der Schüchterne. Die Schlange an der Kassa wird länger, das Gesicht des Mannes röter. "Aber wenn S'eine Kundenkarte nehmen, bekommen S' ein Geschenk", sagt die Dame. Der Mann fleht: "Nein, bitte!" Nun gibt die Dame an der Kassa auf. Der Mann steckt die Schachtel in einen schwarzen Sack, den er aus dem Sakko zieht. Aber beim Ausgang, da piepsts, klingelts und heults. Die ganze Warteschlange fixiert nun den Mann. "Tschuidigen S', i hob ihnare Kondome net entsichert. Gehn S', geben S'sas no amoi her", brüllt sie, "sicher ist sicher." F. K.


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