Ruhe vor dem Sturm

Extra | Michael Loebenstein | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

USA Chantal Akermans "De l'autre côté" inszeniert die mexikanisch-amerikanische Grenze als mythische Kampfzone. 

Kann man den Opfern eines Krieges einen Namen geben? Oder soll ihr Andenken besser gesichts- und namenlos bleiben, aufgehoben in der Masse all jener, die entweder den Tod fanden, entkamen oder deren Schicksal ungewiss bleibt?

"De l'autre côté", ein Dokumentarfilm der belgischen Filmemacherin Chantal Akerman ("Nuit et Jour", "Jeanne Dielman"), verweigert eine klare Antwort, versucht zu individualisieren wie zu verallgemeinern. Der Krieg, von dem der Film spricht, ist ein unsichtbarer Krieg - im unwirtlichen Grenzgebiet zwischen Mexiko und Arizona liefern sich illegale mexikanische Einwanderer, die Immigrationsbehörde INS und lokale Grundbesitzer einen Kampf, den nicht selten die Natur entscheidet: Jahr für Jahr verhungern und verdursten Hunderte Grenzgänger auf dem Weg in den "Goldenen Käfig" USA - eine, in den Worten eines Sheriffs, "kalkulierte Konsequenz" der amerikanischen


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