Schummeln, wozu?

Vorwort | ISOLDE CHARIM | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

KOMMENTAR. Wäre die Welt besser, würden Kinder weniger schummeln? Nein. Schlimme Kinder braucht die Welt. 

Der Wiener Stadtschulrat ließ dieser Tage aufhorchen: Schummeln soll erlaubt werden. Natürlich geht es bei diesem Vorschlag nicht um ein Zuckerl für lernfaule Schüler, sondern um ein pädagogisches Konzept. So sind einige Experten der schulischen Sozialisation bei ihren Zöglingen, namentlich bei den "schlechten", in die Lehre gegangen und haben Folgendes erfahren: Schummeln will gelernt sein. Und: Schummeln ist alles andere als erleichternd. Richtiges, das heißt effizientes Schummeln, ist relativ aufwendig. Ein Mitglied des Stadtschulrates bringt es auf den Punkt: Ein wertvoller Schummelzettel sei viel Arbeit - eine bislang verbotene Arbeit. Gerade nach dem Bericht aus Pisa suchen Pädagogen nach neuen Ansätzen. Die Produktivität des regelwidrigen Verhaltens ist eine üppige Ressource, die bislang nur individuell genutzt wurde. Nun soll diese Energie dem gesamten Betrieb


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