Rückkehr des Irrenhauses

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

STRAFVOLLZUG. Ein Jahr nach dem Stein-Skandal schlagen Experten in einer soeben veröffentlichten Studie Alarm: Die Selbstmordrate in Gefängnissen steige "signifikant". Immer mehr psychisch Kranke landen in Gefängnissen anstatt in Krankenhäusern. Das Paradoxe: Schuld daran ist nicht zuletzt die liberale Psychiatriereform. 

Vor einem Jahr erschütterte eine mysteriöse Todesserie in Österreichs Haftanstalten den österreichischen Strafvollzug. Binnen weniger Wochen hatten sich mehrere Häftlinge, vor allem in der Justizanstalt Krems-Stein, das Leben genommen. Psychisch kranke Insassen wurden in Isolationshaft in verkommene Kellerzellen gesperrt, weil sie als "renitent" galten. Ein Häftling wurde eine Nacht in einer Einzelzelle an ein verbotenes Gurtenbett geschnallt und verstarb dort an einem "Darmverschluss". Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall noch immer. Der Anstaltsleiter wurde mittlerweile pensioniert, die Kellerzellen, so die offizielle Version, "stillgelegt".

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