OHREN AUF! Als wärs von heute

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

Es mag ein bisschen paradox klingen, aber: Wenn Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker die fünfte Sinfonie von Gustav Mahler von 1902 spielen, dann hört man förmlich den Großstadtlärm, dem der Komponist in die Sommerfrische nach Maiernigg entfloh. Soll heißen: Bei allem spätromantischen Getöse, bei allem Hang zur pastoralen Verklärung war Mahler doch ein Komponist der Moderne, ist seine Fünfte nicht nur kalendarisch ein Werk des 20. Jahrhunderts.

Das mag zwar keine brandneue Erkenntnis sein, ist aber angesichts der Interpretationsgeschichte dieses Werks auch keine Selbstverständlichkeit. Ebenso wenig ist es Zufall, dass der neue Chefdirigent und sein Orchester ihr offizielles Debüt mit diesem Stück geben wollten. Nichts weniger als eine zeitgemäße Neupositionierung der philharmonischen Tradition haben sie sich vorgenommen; anhand von Mahlers schroffer Sinfonik lässt sich dieses Vorhaben bestens vorführen. Ihr Erfolg lässt sich nun auch auf dem Live-Mitschnitt aus


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