KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

Zu den spektakulärsten Beiträgen der documenta 5 (1972) zählte der transparente, begehbare Ballon "Oase Nr. 7", den die Architekturavantgardisten Haus-Rucker-Co. an einem Außenfenster des Kassler Fridericianums befestigten. Im MAK-Medienraum lässt sich jetzt eine Reminiszenz an diesen Entwurf entdecken: Dort zeigt ein Video des Künstlerduos Sabine Bitter und Helmut Weber einen Menschen, der sich in einer durchsichtigen Blase fortbewegt. Es handelt sich hierbei aber nicht um ein Vehikel der Bewusstseinserweiterung im Sinne der Utopien der Sechziger- und Siebzigerjahre, sondern um einen aus Neuseeland stammenden Freizeitspaß namens "Zorbing". Zwei weitere Videos präsentieren magenaushebende Schleuderapparaturen, die man im Prater besteigen kann. Bitter/Weber deuten an, wie sozialkritische Gestaltungsvisionen zu banalen, individualistischen Konsumartikeln verkommen. Ihre ästhetischen Videoclips bestätigen jedoch auch die ungebrochene Faszination für diese Formen, und es stellt sich wieder einmal die Frage, warum von den Ideen eines Buckminster Fullers oder einer Architektengruppe wie Archigram so wenig übrig geblieben ist.

  Wie Unterhaltungsarchitektur heute aussieht, führt die von Jan Tabor kuratierte Exkursion "Die neuen Lusthäuser" von 11. bis 13.10. vor. Die Besichtigung von Freizeit- und Erlebnisarchitektur in Niederösterreich, Burgenland und Ungarn wird mit Gesprächen involvierter Planer vor Ort und mit kritisch-analytischen Vorträgen verbunden. Dabei kommen Themen wie Regionalismus, Folgen der Postmoderne, Natur als touristische Ware und Veränderung des Freizeitverhaltens zur Sprache (Info unter www.oegfa.at).


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