Wie Max es sah

KLAUS NÜCHTERN | Extra | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

ALLTAG. Einmal mehr betätigt sich Max Goldt als Benimmtante und Sprachkritiker - mit wechselndem Erfolg. 

Max Goldts jüngstes Werk, "Wenn man einen weißen Anzug anhat", ist sein erstes beim Rowohlt Verlag und wird dort als "Tagebuch-Buch" ausgewiesen; ein überflüssiger Genre-Neologismus, denn drinnen ist, was draufsteht - Goldt eben. Und der macht, was er immer macht: Er kommentiert sein ganz persönliches Tagesgeschehen. Am 11. September 2001 etwa schrieb er ein E-Mail an den Herausgeber des Merkur, in dem er diesem ausrichtet, er habe den Auftrag, sich "16.000 bis 20.000 lang über Musik zu äußern", vergessen und nun auch keine Zeit mehr, das nachzuholen.

  Der Autor teilt uns also mit, dass er nicht besonders viel darauf gibt, etwas für die renommierte Denkerpostille zu schreiben - was entgegen seinen Beteuerungen weniger als unkapriziöse Bescheidenheit denn als jene wurschtige Herablassung rüberkommt, die Goldt ansonsten sehr zu Recht zu geißeln pflegt. Mit ostentativer

  658 Wörter       3 Minuten
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