Am Nullpunkt des Lebens

TOBIAS HEYL | Extra | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

KINDHEIT. Mit altmeisterlicher Sorgfalt nähert sich Kathrin Schmidt in ihrem dichten Roman "Koenigs Kinder" dem Entwurf einer Kindheit jenseits von Psychologie und Realismus. 

Kathrin Schmidt ist eine Epikerin von Gottes Gnaden. Unter den Autoren ihrer Generation, also der Forty-Somethings, verfügen nur wenige über vergleichbare Sprachmacht, und stünde ihnen die zu Gebote, fehlte ihnen der bisweilen geradezu gravitätische Ernst, der Schmidts literarische Welten durchweht. Komik gibt es hier nur als Tragikomik. Es soll Rezensenten gegeben haben, die "Die Gunnar-Leneffsen-Expedition" von 1998 komisch fanden - ein fatales Missverständnis. An ihren Figuren arbeitet Kathrin Schmidt mit geradezu altmeisterlicher Sorgfalt, es sind meistens so genannte kleine Leute, deren biografische und psychische Vielschichtigkeit sich nur geduldiger Beobachtung erschließt. Und trotzdem ist dieser Autorin jeder Realismus fremd, sie denkt sich Handlungen von labyrinthischer Kompliziertheit aus, vor deren

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