Romeo und Julia in der City

BERNHARD FETZ | Extra | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

DER SENSIBLE ROMAN. Bettina Galvagni und Zoë Jenny, zwei der besonders stillen Stars unter den empfindsamen Jungliteratinnen, lassen auch in ihren jüngsten Büchern lieben & leiden. 

Fast scheint es, als ob die Empfindsamkeit in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zurückgekehrt wäre. Wobei Bücher wie jene der 1974 in Basel geborenen Zoë Jenny oder der 1976 in Südtirol geborenen Bettina Galvagni in manchem an die Doppelbedeutung des Begriffs Empfindsamkeit erinnern - als "moralische" Liebe, in die vieles eingehen kann, und als die Fähigkeit zur intensiven sinnlichen Wahrnehmung. Das Rückzugsgebiet der Empfindsamen sind imaginäre Welten. Das Ersatzleben in Büchern, in Briefen und Tagebüchern wird zum eigentlichen Leben: "Ich möchte nie außerhalb eines Buches leben", bekennt Galvagnis Hauptfigur Lori in "Persona".

  Die jungen Frauen, die im Zentrum auch der neuen Bücher stehen, sind körperlich zarte Wesen, deren Glücksempfinden ständig bedroht ist: entweder - wie

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