Die Gnade der Loslösung

Extra | KIRSTIN BREITENFELLNER | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

VÄTER & TÖCHTER. Die neuen Romane von Fleur Jaeggy und A.L. Kennedy kreisen um eine schwierige Beziehung. Aber das auf meisterliche Weise. 

Wenn ein Roman nur 120 schmale Seiten füllt und es wert sein soll, als solcher bezeichnet zu werden, kann man seinen Stil nur "verdichtet" nennen. Fleur Jaeggys "Proleterka" ist ein denkbar verdichtetes Buch. Ein Buch, von dem man jeden Satz in sich einatmet, langsam und beklommen - und am Ende den Eindruck hat, mindestens 300 Seiten gelesen zu haben. Der Stoff ist klassisch, die Geschichte einer unglücklichen Familie oder vielmehr einer nicht gerade glücklichen Rumpffamilie, "zwischen Gleichgewicht und Verzweiflung".

  Nach dessen Tod erinnert sich die bei der Großmutter aufgewachsene Tochter an die Zeit, die sie mit ihrem Vater verbracht hat. Zwei lange kurze Wochen dauerte die Bildungsreise nach Griechenland auf der "Proleterka", einem jugoslawischen Schiff mit der Anmutung eines Kriegsgeräts, wo die mitreisenden Zunftbrüder des verarmten


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