Der Neue Rifkin: Die H2 -Revolution

Extra | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

Seit mindestens fünf Generationen ist Geopolitik synonym mit Erdölpolitik", schreibt Jeremy Rifkin in seinem neuen Bestseller. Und angesichts der jüngsten Kriegspläne der USA gegen den Irak - einen der großen Erdölexporteure - wird man ihm nicht ganz Unrecht geben können. Rhetorisch geschickt verbindet Rifkin die seit dem 11. September verschäfte geopolitische Lage mit einem weiteren Problem, das unmittelbar mit dem Erdöl zu tun hat: die anthropogene Veränderung des Klimas.

  Eine Dramatisierung der Lage ist absehbar: über kurz (ab ca. 2010) oder lang (ab ca. 2030) wird uns das Öl ausgehen und ein anderes Energieregime muss anbrechen. Um dafür rechtzeitig gerüstet zu sein bzw. schon heute den Treibhauseffekt zu verringern, propagiert der US-Trendforscher den Wasserstoff als Energieträger der Zukunft. Doch damit nicht genug: Rifkin will gleich auch einen Umstieg von einem bisher zentralisierten zu einem neuen, dezentralen Energienetz analog dem World Wide Web erreichen: Mithilfe von Brennstoffzellen, so seine Hoffnung, könnten die Bürger ihren Strom selbst erzeugen bzw. mit anderen teilen.

  Diese Teile des Buches, das Rifkin nach eigenen Angaben in 58 Tagen schrieb, klingen nach allzu utopischer Zukunftsmusik. Der gut recherchierte Rest indes, der sich mit den aktuellen Problemen rund ums Erdöl beschäftigt, könnte sich nur allzu bald als hellsichtige Diagnose herausstellen. K. T.

Jeremy Rifkin: Die H2-Revolution. Mit neuer Energie für eine gerechte Weltwirtschaft. Aus dem Englischen von Brigitte Kleidt. Frankfurt a.M., New York 2002 (Campus). 304 S., E 26,30


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