MEDIENGESCHICHTE: Visionär der Visualisierung

Extra | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

Wenn in den letzten Jahren vom großen österreichischen Gesellschaftswissenschaftler Otto Neurath (1882-1945) die Rede war, dann geschah das meist in philosophiehistorischen oder wissenschaftstheoretischen Zusammenhängen. Es ging dabei zwar auch um den Begründer des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums und den Erfinder der Bildstatistik bzw. der Piktogramme. Eine Kontextualisierung von Neurath im Rahmen einer zeitgemäßen Medien- bzw. Designgeschichte ist bislang aber weitgehend unterblieben.

  Diese Lücke schließt nun der vom Medientheoretiker und -berater Frank Hartmann und dem Designer Erwin K. Bauer gestaltete Band "Otto Neurath Visualisierungen", der in auch in formaler Hinsicht neues Licht auf die bildpädagogischen Arbeiten des vielseitigen Soziologen wirft. Es wird nämlich nicht nur die Theorie und Praxis von Neuraths visionärer Bildersprache rekonstruiert. Die beiden Autoren bemühen sich auch, sowohl im Text wie auch im Layout zahlreiche verblüffende Querbezüge sowohl zur Mediengeschichte wie auch zur aktuellen Medientheorie und -praxis herzustellen.

  Dazu kommen gut ausgewählte Originaltexte des visionellen Visionärs und am Ende auch noch Kommentare von ausgewählten Grafikern und Medienexperten, die indes zum Teil etwas beliebig wirken. Am Gesamteindruck des ansonsten sowohl inhaltlich wie auch formal gelungenen Buchs - mit dem wohl auch Otto Neurath seine Freude gehabt hätte - ändert dies nur wenig. K. T.

Frank Hartmann, Erwin K. Bauer: Bildersprache. Otto Neurath Visualisierungen. Wien 2002 (WUV). 168 S., E 28,-


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