Ermannung per Skalpell

Extra | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 41/02 vom 09.10.2002

MEDIZINGESCHICHTE. Was Sie immer schon über die Beschneidung wissen, aber nie fragen wollten. Der Medizinhistoriker David Gollaher behauptet nun, dass sie der Unterscheidung der Geschlechter dient. 

Sie wurde nachweislich schon bei den alten Ägyptern praktiziert und gilt als der älteste chirurgische Eingriff überhaupt. Sie ist eine Konstante, die sich durch alle Epochen der Menschheitsgeschichte zieht. Bis heute entscheiden sich jährlich Millionen von Eltern, sie an ihren Kindern vornehmen zu lassen. Und doch ist die Beschneidung genannte Verstümmelung des männlichen wie weiblichen Genitals ein Stiefkind im Bibliotheksregal zur Kulturgeschichte. An einer Hand kann man die Versuche abzählen, ihre Bedeutung in einer Gesamtdarstellung gerecht zu werden.

  Das dürfte weniger an ihrem Einfluss auf das Werden der zivilisierten und unzivilisierten Welten der Gegenwart liegen als an den verräterischen Fantasien und Ängsten, die sich stets wie von selbst in den Subtext einschleichen.


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