Schwarze Aussichten

NINA WEISSENSTEINER
Politik, FALTER 42/02 vom 16.10.2002

ÖVP. Zweieinhalb Jahre lang dümpelte die Kanzlerpartei in Umfragen bei 27 Prozent. Nun rittert die ÖVP plötzlich mit den Roten um den ersten Platz. Wie hat sie das bloß geschafft? 

Der Kanzler selbst denkt nur mehr in Prozent. Mit staatsmännischem Gestus wollte er vergangene Woche seine Kandidaten für die Wiener Liste beim noblen Innenstadtkonditor Demel präsentieren. Dafür hatte er schließlich sogar seine Visite beim finnischen Premier etwas früher als geplant beendet. "Ich komme soeben aus Helsinki", hob Wolfgang Schüssel feierlich vor seinen Funktionären an, "wo es bereits minus drei ... äh ... Prozent hat." Da konnten sich selbst ergebenste Parteisoldaten kaum noch halten. Schüssels Nachsatz ("Ich habe natürlich minus drei Grad gemeint!") ging im bürgerlichen Gewieher unter.

  Den kleinen Lapsus Linguae kann man dem ÖVP-Obmann kaum verdenken. Woche für Woche, glaubt man den Meinungsforschern, kletterte seine Partei seit seiner Ausrufung der Neuwahlen nach oben.

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