STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 42/02 vom 16.10.2002

Eine junge Frau hat anständig und bescheiden zu sein: Dieser Grundsatz gilt nicht nur draußen, auf den Straßen Teherans, sondern auch drinnen, in einem Refugium für misshandelte Frauen und Ausreißerinnen. "Runaway", nach "Divorce Iranian Style" (Viennale 1998) die bereits zweite Kollaboration der britischen Dokumentaristin Kim Longinotto und der iranischen Anthropologin Ziba Mir-Hosseini, beschreibt knapp neunzig Minuten lang die Arbeitsabläufe in einem Teheraner Frauenhaus: vom Aufnahmegespräch über die täglichen Rituale (Gebete, Mittagessen, Beratungsgespräche) bis zur Entlassung. Dabei verblüfft erneut die Fähigkeit der Filmemacherinnen, genau zu beobachten, Schwarz-Weiß-Zeichnung zu vermeiden - dies umso mehr, als sich auch das Verhalten ihrer Protagonistinnen paradox darstellt: Wiewohl alle unter seelischen und körperlichen Misshandlungen zu leiden hatten, können sich nur die wenigsten ein Leben außerhalb ihrer Familien vorstellen. "Runaway", zu sehen im Rahmen der

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