"Ich bin stur"

CARSTEN FASTNER | Kultur | aus FALTER 42/02 vom 16.10.2002

MUSIK Beinahe alle Orchester des Landes stecken in der Krise. Am stärksten gefährdet ist derzeit das ORF-eigene RSO Wien. Doch sein neuer Chefdirigent Bertrand de Billy wehrt sich - und hat gute Argumente für die Rettung des renommierten Klangkörpers. 

Am Pult ist Bertrand de Billy ein Mann der großen Geste. Nicht ohne Eleganz, mit lockerem Hüftschwung, viel Esprit im Blick und Enthusiasmus in den Armen treibt der 37-jährige Franzose die Musiker des Radio-Sinfonieorchesters Wien (RSO) durch Mozarts "Linzer Sinfonie", inklusive aller Wiederholungen. Doch der Mozart will und will nicht abheben. Trotz sauberer Intonation, klar ausgearbeiteter Struktur und Wiener Schönklang: Da ist kein Funke, der überspringen könnte. Das offizielle Debütkonzert des neuen RSO-Chefdirigenten letzten Freitag im Musikverein beginnt mau.

  Doch mit einem Mal kommt Spannung in den bis zum letzten Stehplatz gefüllten Goldenen Saal. Als zweiter Programmpunkt ist eine Uraufführung angesetzt, "Polygon,

  1608 Wörter       8 Minuten
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