Heimweh nach dem KZ

BERNHARD FETZ | Kultur | aus FALTER 42/02 vom 16.10.2002

LITERATUR. Der Nobelpreis für Literatur geht heuer an den 1929 geborenen Ungarn Imre Kertész - eine gute Wahl. 

Der heurige Nobelpreis geht an einen Autor, dessen Lebenswerk um ein einziges Thema kreist: Auschwitz. Er geht außerdem an einen ungarischen Autor, der stellvertretend für die vitale Literatur seines Landes steht, mit Namen wie Ádám Bodor, Péter Esterházy, László Krasznahorkai oder Péter Nádas sowie einer Vielzahl jüngerer Autoren. Er geht vor allem aber an einen Autor, dessen "Roman eines Schicksallosen" ein außerordentliches Buch nicht deswegen ist, weil es von Auschwitz und Buchenwald handelt, sondern weil es eines der raren Beispiele in der Literatur der Gegenwart ist, das mit äußerster Konsequenz den Prozess des Verstehens bis an jene Kipppunkte verfolgt, wo der Autor und wir mit ihm kapitulieren müssen.

  Im Sommer 1944 wird der 15-jährige Imre Kertész zusammen mit anderen Juden aus einem Bus seiner Heimatstadt Budapest geholt und nach Auschwitz deportiert.

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