Fragen Sie Frau Andrea: Verkühlungstechnik

Stadtleben | aus FALTER 42/02 vom 16.10.2002

Liebe Frau Andrea,

warum fange ich mir im Winter regelmäßig eine Verkühlung ein? Werden Viren in kühlerer Luft leichter übertragen, oder lieben sie die nasskalte Jahreszeit?

Nina Maculan, Pötzleinsdorf

Liebe Nina,

dass wir uns bei kühlerem Wetter leichter erkälten sollten als in anderen Jahreszeiten, ist eigentlich ein Paradoxon. Der Rhinovirus, der für fast vierzig Prozent der Verkühlungen verantwortlich ist, vermehrt sich am besten bei Temperaturen um die 32° C. Unsere normale Körpertemperatur liegt zwischen 36 und 37° C, das ist gar nicht ideal für Viren. Allerdings haben Teile des Körpers durchaus tiefere Temperaturen. Zu ihnen gehört die Nasenschleimhaut, deren Temperatur bei 32°C liegt: Good News für den Virus! Während der kühleren Jahreszeit halten wir uns bevorzugt in warmen, schlecht belüfteten Räumen auf. Das unterstützt die Übertragung von Viren über die Luft. Ansteckungen werden aber auch durch das Fehlen von Sonnenlicht in Räumen begünstigt, denn dessen UV-Anteil tötet Viren ab. Ron Eccles vom College of Cardiff der University of Wales macht noch einen anderen Faktor für das vermehrte Auftreten von Erkältungen zu Herbstbeginn und nach Weihnachten verantwortlich: Die Rückkehr von Schulkindern und Studenten aus den großen Ferien und den Weihnachtsfeiertagen. Kinder und Teenager sind der Gefahr einer Infektion viel stärker ausgesetzt, weil ihr Immunsystem noch "lernt", um es mal unakademisch salopp auszudrücken. Das Immunsystem von Erwachsenen hingegen hat sich schon bis zu 200 verschiedene, für den Ausbruch einer Erkältung verantwortliche Viren "gemerkt" und lässt sich nur mehr von ausgeprägt aggressiven Mutanten zu einer Verkühlung hinreißen. Meiden Sie also prall gefüllte Kindergärten, Schulen und Hörsäle, und fahren Sie U-Bahn und Bim nur außerhalb der Stoßzeiten.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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