Jenseits der Grenze

Stadtleben | JULIA ORTNER | aus FALTER 42/02 vom 16.10.2002

BORDERLINE. Stefan hat seinen Freund erschlagen, zerstückelt und in einer Blumenecke eingemauert. Dafür wurde der psychisch Kranke zu lebenslanger Haft verurteilt, kürzlich hat der Oberste Gerichtshof das Urteil aufgehoben. Immer mehr Menschen leiden im Geheimen und unauffällig an Borderline: einer Krankheit an der Grenze von Neurose und Psychose. 

Wenn es Abend wird, schneidet sich Studentin Pia die Arme auf. Ganz professionell, ausgestattet mit Rasierklingen, Alkohol, Papiertaschentüchern. Wenn dann das Blut fließt, wenn sie die klaffende Wunde sieht, fühlt sie sich befriedigt. Danach verstaut sie ihre Utensilien, verarztet sich und tut so, als wäre nichts gewesen. Die junge Frau fügt sich körperlichen Schmerz zu, "um zu spüren, dass ich noch lebe". Die Fotos von den blutenden Armen kann man sich auf einer der zahlreichen Selbsthilfeseiten für Borderlinekranke im Internet anschauen, genauso wie Pias Leidensgeschichte. Ein klassischer Fall von selbstverletzendem Verhalten,


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