Wien ist anderswo

VERENA RINGLER/ Irkutsk | Stadtleben | aus FALTER 42/02 vom 16.10.2002

KAFFEEHAUS. Eine Melange um 50 Rubel, ein Kapuziner um 45 Rubel, ein Einspänner um 80 Rubel: In Irkutsk, mitten im tiefsten Sibirien, feiert ein original Wiener Kaffeehaus sein einjähriges Bestehen. 

Gegen elf Uhr vormittags nimmt der regengraue Donnerstag eine Wendung, die weder Gott, Kaiser noch dem Wiener Tourismusverband zuzuschreiben ist. Sie passiert zu allem Überfluss in der Stepanka, der Stefansstraße. Dort, so deuten Passanten mit unaufgeregten Handbewegungen, sei ein Postamt und ein paar hundert Meter davor eine Bank samt Bankomat. Dass zwischen Postamt und Bank ein Wiener Kaffeehaus ist, davon sagen sie nichts. Ein ovales Schild mit einem Walzerpärchen sagt: "Wiener Café", täglich bis elf Uhr abends geöffnet.

  Das Wiener Kaffeehaus ist offen, aber dunkel. Eine Stunde Stromausfall. Es gibt keinen Kaffee. Sonst hat alles seine Ordnung. Auf jedem der zwölf Marmortischchen steht ein Aschenbecher von Julius Meinl, ein Zuckerstreuer, ein Bündel glänzender Eis- und Getränkekarten

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