STREIFENWEISE

MAYA McKECHNEAY | Kultur | aus FALTER 43/02 vom 23.10.2002

Am Anfang ein Bild der Harmonie: Sanft perlt eine Chopin-Nocturne durch das halb dunkle Tonstudio des Warschauer Rundfunks. Am Flügel sitzt Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody), ganz konzentriert - es wird direkt übertragen -, spielt weiter, als es bereits zu grollen beginnt, und auch, nachdem der Aufnahmeleiter bereits hinausgelaufen ist. Dann ein Krachen, grelles Licht, Scherben, die durch die Luft fliegen. Der Einbruch des Krieges in ein Künstlerleben.

  Mit "Der Pianist" hat Roman Polanski, der als Sechsjähriger selbst aus dem Krakauer Ghetto flüchtete, den (1946 unter dem Titel "Tod einer Stadt" erschienenen) persönlichen Bericht eines Holocaustüberlebenden, des polnischen Klavierspielers und Komponisten Wladyslaw Szpilman, verfilmt. Wenn er dabei die Ereignisse von Jahren in wenigen Szenen konzentriert, kommt es auch hier zu jener Verdichtung, die wir vom Kino des historischen Moments gewohnt sind: Im Bombenhagel trifft Szpilman seine große Liebe, begegnet ihr wieder bei der

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