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Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 43/02 vom 23.10.2002

Das Stationendrama "Groß und klein" von Botho Strauß ist ein Klassiker der Siebzigerjahre und wird heute nur noch selten gespielt. Zu Recht, könnte man nach Ansicht der aktuellen Produktion im Volkstheater sagen, aber damit würde man sowohl den Siebzigerjahren als auch Botho Strauß Unrecht tun: Beide waren bzw. sind nicht so langweilig und witzlos wie Frank Arnolds drei Stunden lange Inszenierung. Das Stück zeigt die teils lächerlichen, teils tragischen und teils ziemlich durchgeknallten Versuche einer von ihrem Mann verlassenen Frau namens Lotte, ihren Platz in "der Gesellschaft" (wie man in den Siebzigern gesagt hätte) zu finden, und ist heute noch genauso aktuell wie vor 24 Jahren. Im Volkstheater ist das unter anderem deshalb nur zu erahnen, weil Hauptdarstellerin Andrea Eckert nach starken Anlaufschwierigkeiten erst nach und nach in ihre Rolle findet - wobei sie nie entsprechende Partner vorfindet, an denen sie wachsen könnte.

  Aus anderen Gründen ähnlich anstrengend ist die Uraufführung von Kathrin Rögglas erstem Stück "fake reports" im Forum U3 des Volkstheaters geraten. Hier haben Regisseurin Tina Lanik und sechs Schauspieler alles versucht, um einem konzeptionellen Text möglichst viel szenischen Witz abzuringen. Fatalerweise wird auf diese Weise aber bloß noch deutlicher, dass das prätentiöse, aus medialem Meinungsschrott gesampelte Stimmenkonzert zum 11. September 2001 eben kein Stück ist. Schön, wie die Schauspieler Leopold von Verschuer und Erwin Ebenbauer passiven Widerstand gegen den Text leisten und wie Bühnenbildnerin Barbara Aigner den U3-Raum in seiner ganzen Trostlosigkeit zur Geltung bringt.


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