KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 43/02 vom 23.10.2002

Der schwedische Künstler Henrik Håkansson ist ein ausgesprochener Kleintierfreund. Mal forscht er aus, dass Frösche zu Ambient Techno besonders lebhaft hüpfen, und richtet ihnen eine Disco ein, mal lässt er Museumsbesucher Schmetterlingslarven versorgen. Für Aufnahmen von Wespen und Kolibris benutzte der Künstler Techniken von Tierfilmprofis. Zurzeit interessiert sich der Schwede vor allem für aussterbende Vogelarten. Im Schönbrunner Tiergarten filmte er eines der letzten verbleibenden Pärchen der hübschen Sorte Balistar und zeigt das Video zusammen mit einem leeren Käfig in der Secession (bis 10.11.). An den peinlichen Siebzigerjahre-Musikfilm "Die Möwe Jonathan" erinnert die Installation im Secessionskeller: Dort sieht man den Gesangsflug der Feldlerche im Filmloop; der Gezwitscher-Soundtrack, den Håkansson als LP verschenkt, ist allerdings weitaus erträglicher als der von Neil Diamond.

  Nicht Vogerl, sondern Mäderl bevölkern die Ausstellung der Finnin Salla Tykkä in der Bawag Foundation (bis 10.11.). "Pain Pleasure Guilt" lautet der Titel der Ausstellung, die Foto- und Filmarbeiten der Künstlerin zeigt. Neben der gelungenen Genre-Verarbeitung "Lasso", die auf der letzten Biennale in Venedig lief, ist auch Tykkäs neues Video "Thriller" zu sehen. Zu einem Song aus dem Slashermovie "Halloween" entdeckt dort ein nymphenhaftes Wesen seine Sexualität, die irgendwie verboten (Inzest?) ist. Am Ende muss ein unschuldiges Schaf dran glauben. Die nordische Landschaft trägt das Ihre zu der düsteren Stimmung bei. Aber schließlich wissen wir doch alle, dass skandinavische Kunst melancholisch, rätselhaft und naturverbunden ist.


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