Ein Loch in der Fahne

Kultur | HELLMUT BUTTERWECK | aus FALTER 43/02 vom 23.10.2002

LITERATUR. Hans-Georg Behrs "Fast eine Kindheit" erzählt lakonisch und ironisch davon, wie es war, unter Nazis, Antinazis und päderastischen Patres aufzuwachsen. 

Das Cover des Buches ist Programm: Auf dem Umschlag prangt ein halber blutroter Kreis auf blassrotem Grund. Wer 1945 die Befreiung im Osten Österreichs erlebt hat, erinnert sich an die Kaskaden ausgeblichener roter Fahnen mit dem leuchtend roten Kreis dort, wo sieben Jahre lang der aufgenähte weiße Kreis mit dem Hakenkreuz geprangt hatte, das nun heruntergetrennt worden war.

  Hans-Georg Behrs Erinnerungen "Fast eine Kindheit" sind sozusagen kunstvoll auf den vorletzten Absatz zugespitzt: "Von den ehemaligen Mitschülern des Jungen wurden viele bedeutende Männer in Österreichs Politik, und sie waren schon als Schüler die brutalsten und dümmsten gewesen."

  Der vorletzte Absatz hat es in sich - alles vorher aber auch. "Fast eine Kindheit" ist das Dokument einer Selbstbefreiung. Hans-Georg Behr wuchs in einem eng geschnürten


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