Die Erben von Kraus

WALTER MAYR | Extra | aus FALTER 44/02 vom 30.10.2002

DER SPIEGEL. Muss man in einem Land mit derart unterschiedlichen publizistischen Speerspitzen um die Medienvielfalt fürchten?

Das Bemerkenswerteste an Österreichs Medien gleich vornweg: Jedes Wort wägende Redaktionsmanager in Opinion-Leader-Uniformen dominieren hier noch nicht die Führungsetagen. Anders als im deutschsprachigen Ausland. Österreichs Meinungsmacher sagen unverändert fröhlich "Ja" zum eigenen Ton und Stil. Der mächtige Magazinverleger etwa, der einsam in seinem Hochhaus, hinter einem über Porzellan aufgebahrten Krapfen thronend, sein Personal befehligt; er, der von Angestellten unbedingte Gefolgschaft fordert - "Sunst brunz i dir in deine Designer-Patscherln" - und sich auch sonst viel erlauben zu können glaubt; weil, wer nicht in seinem, des Großverlegers Reich dienen will, inzwischen als Schreiber praktisch auswandern muss, um vergleichbare Arbeit zu finden.

  Oder der mächtige alte Kleinformatverleger, der einsam geworden in seinem Hochhaus sitzt, Freunde und

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