Ganz der Alte

ROBERT MENASSE | Extra | aus FALTER 44/02 vom 30.10.2002

GEBURTSTAGSADRESSE, Warum es beinahe deprimierend ist, jemandem dazu zu gratulieren, dass er sich selber gleich geblieben ist. Eine Erinnerung an die Gründungs- tage des "Falter". 

Es macht mich immer ein bisschen wehmütig, einen Geburtstag zu feiern, bei dem es wenig mehr zu feiern gibt als die Tatsache, dass das Geburtstagskind noch lebt. Fast deprimierend ist es, wenn das Älterwerden sich hauptsächlich darin glücklich bestätigt, dass der Jubilar immer noch "ganz der Alte" ist. Und es hat etwas geradezu Niederschmetterndes, wenn dies allein schon eine tatsächlich unverzichtbare Leistung darstellt.

  Das hat mit der Welt zu tun, in die der Falter hineingeboren wurde und in der er seine Wirksamkeit entfalten wollte. Die Welt war damals so wenig wie heute "in Ordnung", aber es herrschte eine deutliche Stimmung, dass die Chance bestand, sie ein wenig besser machen zu können. 25 Jahre später feiern wir das bloße Überleben dieses Anspruchs mit dem mühsam beherrschten Gefühl,

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